Eine sehr persönliche Geschichte
Vielleicht haben Sie sich gefragt, warum Sie erst jetzt auf diese Website gestoßen sind. Immerhin liegt Christoph Wagners Tod nun schon mehr als 12 Jahre zurück. Ein Teil der Antwort ist ganz einfach: diese Website gibt es erst seit Sommer 2022. Außerdem brauchen Dinge manchmal länger, viel länger als man gedacht hätte – aber sie passieren.
Mein Name ist Ruth Wagner, ich bin die jüngere der beiden Töchter von Christoph und Renate Wagner. Nach dem überraschenden Tod meines Vaters im Juni 2010 stand es für uns alle außer Frage, dass wir etwas unternehmen müssten, um seine kulinarische Hinterlassenschaft in irgendeiner Weise zu bewahren. Wir dachten an regelmäßige Symposien, an eine Stiftung, doch zunächst ging es in erster Linie darum, die unvollendeten Projekte meines Vaters abzuschließen. Jeder, der mit Christoph Wagner beruflich oder privat zu tun hatte, wusste, dass hinter ihm als starkem Mann eine starke Frau stand – meine Mutter Renate Wagner-Wittula. Bereits seit Anbeginn seiner kulinarischen und literarischen Karriere war sie stets die oft unsichtbare, jedoch immer helfende und treibende Kraft hinter jeder Buchproduktion. Nach dem Ableben ihres Mannes Christoph Wagner war es daher nur konsequent, dass sie ohne viel zu überlegen versuchte seine kulinarische Arbeit fortzusetzen. Und das gelang ihr auch bestens.
Drei Damen und Christophs Wagners Herds
Im Jahr 2020 näherte sich der 10. Todestag meines Vaters. Ich begann nachzudenken, was sich in der letzten Dekade verändert hatte. Was war geblieben von Christoph Wagner, vor allem, woran
dachte ich gerne zurück? Da gab es so vieles zu sagen, festzuhalten, aufzuschreiben und vor allem auch zu recherchieren! Es gab kaum einen Restaurantbesuch oder einen Kochversuch am eigenen Herd, den mein Vater nicht dokumentierte. Keine große Party meiner Schwester Helene (die Archäologin für alle ehemaligen Gusto-Kolumnen-Leserinnen), die mein Vater nicht vorher noch mit einer Rezeptidee für einen Mitternachts-Mulatschak bereicherte.
Doch in welchem Kochbuch waren die Rezepte zu finden? Wie hieß doch gleich das Buch, in dem er den Coq au Vin veröffentlichte, den er immer zu meinem Geburtstag zubereitet hat? Und waren es nun 130, 140 oder 150 Bücher, die er geschrieben hat?
Das war der Moment, in dem ich beschloss, das Gesamtwerk meines Vaters virtuell vor dem Vergessen zu bewahren und somit für jede(n) Interessierte(n) leicht zugänglich zu machen.
Ein Versuch einer Annäherung an das Gesamtwerk aus dem Hause Wagner
Voilà – die Idee zu einer eigenen Website über die (Koch-)Bücher aus dem Hause Wagner war geboren. Vielleicht würde diese Website nur der Sortierung unserer Gedanken, Erinnerungen und Archivierung des „Familienerbes“ dienen. Auch das wäre Rechtfertigung genug. Es konnte aber auch sein, dass die Website den ein oder anderen Kochbuch-Fan interessiert anlocken würde. Mein deklariertes Ziel war es, ein umfangreiches Werkverzeichnis meiner Eltern zu liefern. Womit wir auch zur zweiten Motivation für diesen Blog kommen. Denn nicht nur mein Vater war ein erfolgreicher Kochbuchautor, sondern auch meine Mutter Renate Wagner-Wittula ist es – noch immer. Doch gerade sie gehört zu jenen Personen, die sich lieber aus dem Rampenlicht davonstehlen als in ihm zu glänzen. Daher möchte ich ihre Arbeit und Werke ebenso in den Vordergrund rücken wie jene meines Vaters. Bereits kurze Zeit nach dem Tod meines Vaters bekam auch sie zahlreiche Aufträge
für neue Projekte, Kolumnen und Kochbücher. All diese wunderbaren Bücher meiner Eltern möchte ich in diesem Blog vorstellen und somit beitragen, das „kulinarische Erbe“ (wenn ich diesen vielstrapazierten Ausdruck verwenden darf) auch nach dem Tod von Christoph Wagner zu bewahren.
Und nun ist sie fertig – die Website – und wir sind alle stolz auf sie! Ich hoffe, ich kann Sie ein Stück des Weges mitnehmen.